Presseschau Beitrag

Ein neuer Anlauf

Hat der Sozialismus eine Zukunft?
Ein neuer Anlauf
Bild von Jose Téllez

Heinz Dieterich ist ein radikaler Kritiker und so etwas wie ein Vordenker des »Sozialismus des 21. Jahrhunderts«. Bekannt wurde er vor allem durch seine Beratungstätigkeit für Hugo Chávez und andere linke Regierungen Südamerikas. Mittlerweile überwiegt bei ihm die Enttäuschung über diese seiner Meinung nach gescheiterten Aufbrüche. Aber zugleich hält er an seiner Vorstellung des Sozialismus fest:

Ein wirtschaftlich-gesellschaftliches System, das auf demokratischer Planung und partizipativer Demokratie beruht und das als Bewertungsmaßstab nicht Marktpreise benutzt, sondern die Arbeitswerte.

Denn das aktuelle System habe versagt:

Ich glaube, dass das bisherige System – bestimmt von Parlamentarismus, Nationalstaat und Marktwirtschaft, dessen Konstruktion aus dem 18. Jahrhundert stammt – heute nicht mehr fähig ist, sich den neuen Erfordernissen der Menschheit anzupassen. Nun muss die Evolution ein neues Weltordnungssystem erzeugen.

Dieterichs Interviewpartner Fischermann von der Zeit hat sich umgesehen nach neuen Formen des Sozialismus: Er sieht sie in Ansätzen verwirklicht in OpenSource-Software und anderen Projekten, die ohne Zwang auskommen und doch hoch produktiv sind. Oder in neuen, technisch anspruchsvollen Planungsinstrumenten sowie in variantenreichen gemeinschaftlichen Eigentumsformen. Interessant die Schlussfolgerung: Man habe aus den Fehlern des untergegangen Kommunismus gelernt, aber noch fehle die umfassende Synthese dieser kreativen Ansätze.

Kommentare

Hast Du schon einmal etwas von Dieterich gelesen?

Hi,

hast Du einmal ein Buch von Dieterich gelesen? Sein Werk »Sozialismus des 21. Jhdts.« ist um die »These« herumgestrickt, das heute Planwirtschaft funktionieren würde, weil wir leistungsfähigere Computer haben.
Seit er ca. 2007 von Chávez von seinem Berater-Posten gefeuert worden ist, kritisierte er seinen ehemaligen großen Führer in den Internet-Platformen aporrea.org und kaosenlared. Jedoch fiehl er auch dort in Ungnade.
Hier sein Rundumschlag von 2009: http://www.aporrea.org/ideologia/a118088.html

Inhaltlich fand sich in seiner Kritik wirklich nix neues, falls man das auf venezoelanischen anti-faschistischen (d.h. anti-chavistischen) ein wenig verfolgt hat.

Für mich ist der Mann ein verbohrtes, ideologisiertes Relikt der 70er Jahre, der sich in seinem professoral-mexikanischen Exil selbst überlebt hat.

Es existieren heute in Lateinamerika sehr interessante und wache links-inspirierte Beiträge zur Realität der höchst unterschiedlichen Gesellschaften. Ariel Zuniga, Chile oder Abel Baldomero Fernández, Argentinien. Leider wird das deutsche Publikum immer mit irgendwelchen total verrückten Trotzkisten abgespeist, deren Analyse völlig voraussehbar, durch-mechanisiert und jeden Selbstzweifel schon im Keim erstickt. Dieterich weiß ja so genau, was zu tun ist. Nur hört ihm keiner zu. Und das hat gute Gründe ;-)

saludos solidarios

Lemmy

Bild des Benutzers Axel Weipert

Dieterich

Danke für den Link, fand ich doch recht interessant (ist allerdings vom Feb 2011, nicht 2009). Zum einen find ich es schon erstaunlich, wie man immer noch Sozialismus mit Staatswirtschaft gleichsetzt und auch Genossenschaften pauschal verwirft. Das ist das eine. Das andere wäre die Frage, ob sich ein mehr oder weniger an Sozialismus generell statistisch quantifizieren lässt: Kann man so einfach ein höheres Maß an Partizipation usw. bestimmen? Für mich ist Sozialismus auf jeden Fall mehr als eine Frage des Eigentums. Nun gut.

Inhaltlich fand sich in seiner Kritik wirklich nix neues, falls man das auf venezoelanischen anti-faschistischen (d.h. anti-chavistischen) ein wenig verfolgt hat.

Also, wenn ich den Satz richtig verstehe, siehst du in Chavez einen Faschisten. Naja, das geht doch ein bisschen zu weit, oder? In einem Punkt muss ich Dieterich dann doch recht geben: Eine Reihe von Maßnahmen von Chavez - namentlich besserer Sozialstaat, andere Außenpolitik - sind richtig und erhaltenswert…

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