Presseschau Beitrag

Olympisches Feuer

Militäreinsatz gegen Drogenbanden in Rio de Janeiro vor den Olympischen Spielen und der Fußballweltmeisterschaft
Auch nach dem Einsatz bleibt das Militär in der Favela präsent <br/>Foto von Arlos Trinidade
Auch nach dem Einsatz bleibt das Militär in der Favela präsent Foto von Arlos Trinidade

Im vergangenen Monat marschierte Militär in mehrere Favelas von Rio de Janeiro ein und lieferte sich einen regelrechten Krieg mit Drogenbanden, welche diese Slums seit Jahrzehnten kontrollieren. Aus Sicht der Regierung war die Operation erfolgreich, auch wenn es 37 Tote gegeben habe. 2014 findet in Brasilien die Fußballweltmeisterschaft statt, zwei Jahre darauf werden die Olympischen Spiele ausgetragen: Offenbar wollen Stadt und Staat sich vor der Welt präsentieren. Die Jungle World hat diesem Einmarsch einen Schwerpunkt gewidmet.

So betont Kris Maschewsky, daß der Einsatz von Militär im Inneren seit dem Ende der Militärdiktatur 1985 so nicht vorgekommen sei – und gegen die Verfassung verstoße. So bestehe die Gefahr, daß ein Beispiel gesetzt werde, soziale Probleme mit Gewalt zu lösen. Auch gebe es unbestätigte Augenzeugenberichte, nach denen regelrechte Hinrichtungen gefangener Mitglieder von Drogenbanden vorgekommen seien; demnach wären die genannten Opferzahlen weit untertrieben. Daniel Schmidthäussler hat sich nach dem Einsatz in der Favela Complexo do Ale­mão umgesehen und gibt Stimmen der Bewohner wieder. Nicole Tomasek erörtert den Zusammenhang städtebaulicher Aufwertung im Zuge der beiden Großveranstaltungen. So drehe sich die Preisspirale bereits rasant. Die Bewohner der Favelas müssen nach der militärischen Befriedung ihre Vertreibung befürchten. Denn viele der armen Slums befinden sich in attraktiven Innenstadtlagen, die bisher nur aufgrund ihrer schwierigen Bebauung an Hanglagen und der ausufernden Kriminalität nicht zu Spekulationobjekten geworden sind. Armut und Reichtum leben in Rio de Janeiro nach wie vor dicht beieinander. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zeigt Joseph Oehrlein, wie die Präsident Lula Einfluß auf die Ereignisse genommen hat.

Wolf-Dieter Vogel blickt auf die Bekämpfung des Drogenhandels in Süd- und Mittelamerika. So werde ein Bild präsentiert, in dem der Staat gegen die Drogenmafia Land gewinnen will. Doch werden viele Drogenkartelle – auch in Brasilien – von den Eliten kontrolliert. Er zeigt am Beispiel Mexikos, wie der Einsatz des Militärs gescheitert ist, vielmehr zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen geführt hat. Die Drogenkartelle sind Teil einer die gesamte Gesellschaft und den Staatsapparat durchziehenden Korruption. Das Problem lasse sich nur durch eine andere Sozialpolitik  und  die Legalisierung von Drogen lösen. Anders sei die Preisblase des Drogenmarktes nicht in den Griff zu bekommen.

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