Presseschau Beitrag

Die Minenfelder des Kongo

Der Ressourcenbedarf der Mobilfunkhersteller finanziert auch den kongolesichen Bürgerkrieg
Zollherren: Ausschnitt aus dem Film "Blutige Handys"
Zollherren: Ausschnitt aus dem Film "Blutige Handys"

Der Krieg in der Demokratischen Republik war und ist einer der längsten und verlustreichsten der jüngeren Geschichte, Schätzungen gehen von mehreren Millionen Toten aus. Zugleich handelt es sich auch um einen der komplexesten Konflikte, allein schon weil zahlreiche Nachbarländer verwickelt waren. Dazu zählt das benachbarte Ruanda. Gerade die angrenzende Region im Osten des Kongo ist bis heute nicht zur Ruhe gekommen. Immer noch leben die teils aus Ruanda stammenden Hutu-Milizen von Wegelagerei. Dabei haben die reichen Rohstoffe des Landes ihren Teil an der Finanzierung des Kriegs, im Ostkongo insbesondere das zur Mobilfunkproduktion benötigte Coltan. Michael Obert stellt im Zeit-Magazin die üblen Arbeitsbedingungen in den Minen dar, die unter haarsträubenden Bedingungen in den Berg getrieben werden. Dabei porträtiert er den Versuch, durch Zertifizierung der Herkunft der Mineralien dem Kriegscoltan den Markt zu entziehen, beispielsweise durch Boykott. Doch die Bevölkerung ist ebenso abhängig von dem Bergbau wie die Rebellen.

Bereits im vergangenen Jahr hat sich der dänische Journalist Frank Piasecki Poulsen bis in die Stollen gewagt. Sein abenteuerlicher Bericht erschien im November beim WDR in deutscher Übersetzung. Poulsen fordert von Nokia — stellvertretend für die Mobilfunkindustrie — eine Stellungnahme, ob sie durch den Ankauf von Ressourcen aus zweifelhafter Quelle den Kongokrieg mitfinanzieren. Der Konzern, der sich für sein soziales Engagement rühmt, versucht sich herauszureden. Es sei nicht möglich die Herkunft des Coltans zu bestimmen; doch Poulsen zeigt, daß es durchaus Verfahren dafür gibt.

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